Objekt des Monats

Oktober 2022

Bierglas „Esslinger Hofbräu“
Glas
1909-1918

(Städtische Museen Esslingen, STME 007870)

Trinkglas mit aufgedrucktem württembergisch-königlichem Wappen und weißer Umschrift
Fotografie: Michael Saile

Die Brauereien Stuttgarter Hofbräu und Hofbräu München dürften wohl allseits bekannt sein. Schließlich existieren sie heute noch und haben sich zu Großbrauereien in Deutschland entwickelt. Dass es aber auch einmal ein Esslinger Hofbräu gab, ist wohl eher unbekannt. Diesen Titel erhielt die Esslinger Brauereigesellschaft am 25. Februar 1909 vom Württembergischen Königshaus.
Bereits seit dem 18. Jahrhundert verlieh der württembergische Monarch wichtigen Handwerkern den Titel eines Hofhandwerkers. Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert kam die Mode auf, dass der König auch externe Firmen und Geschäfte als Hoflieferanten auszeichnete. Der Titel war sehr begehrt, konnte er doch als wichtige Werbemaßnahme der Unternehmen eingesetzt werden. Ihn zu erlangen setzte jedoch einiges voraus. So mussten die entsprechenden Firmen eine solide wirtschaftliche Position und einen guten Ruf haben sowie regelmäßig Waren an den Hof liefern. Als Hoflieferant durfte die Esslinger Brauereigesellschaft auch eine minimal abgewandelte Form des königlichen Wappens führen. So sind etwa die Eichenblätter im offiziellen Wappen Gold, beim Esslinger Hofbräu jedoch Grün. Auch ist das rote Band, in welchem die Inschrift „Furchtlos und Treu“ steht, im königlichen Wappen länger und an den Enden zweigeteilt. Titel und Wappen wurde von der Brauerei auf Biergläser und Firmenschilder gedruckt sowie im Briefpapier geführt. Neben der Brauereigesellschaft erhielten im Laufe der Zeit auch andere Esslinger Firmen das Privileg eines königlichen Hoflieferanten, etwa die Sektkellerei Kessler (seit 1881), die Fotografie- und Lichtdruckanstalt von Karl Liebhardt (seit 1894) oder die Dekorationsmaler Hermann Roller und Karl Häuser (seit 1903).
Spätestens zum Zeitpunkt der Verleihung dieses Titels durch den württembergischen König hatte es die Esslinger Brauereigesellschaft geschafft, sich unter den großen Brauereien Württembergs zu etablieren. Die Gründung des Unternehmens geht auf das Jahr 1888 zurück, in welchem sich die beiden Brauereien Kugel und Brodbeck zusammenschlossen. Martin Kugel errichtete bereits 1868 eine Dampfbrauerei in der Bahnhofstraße 11 und machte sich schnell einen Namen als Produzent von Weißbier nach Berliner Art, das sogenannte „Kühle Blonde“. Nach der Gründung der Brauereigesellschaft wurde diese Brautradition fortgesetzt, jedoch aus dem Unternehmen ausgegliedert. Als Tochtergesellschaft wurde hierfür 1899 die Erste Württembergische Weißbierbrauerei gegründet. Die Braustätte befand sich weiterhin in der Bahnhofstraße, wo auch eine Brauereigaststätte samt Saal betrieben wurde. Als Kugel’s Festsaal erlangte dieser in der ganzen Stadt große Bekanntheit und galt in den nächsten Jahrzehnten als zentraler Veranstaltungsort Esslingens.
Die Esslinger Brauereigesellschaft hatte ihre Produktionsstätte in den Gebäuden Zollbergstraße 1, 3 und 5. Der jährliche Bierabsatz von bis zu 40.000 Hektoliter setzte sich aus drei Biersorten zusammen: helles Lagerbier, helles Märzenbier sowie das besonders erfolgreiche dunkle Burgbräu. Ob es sich beim Esslinger Hofbräu lediglich um eine bestimmte Biersorte handelte oder die Brauerei sich für die Jahre, in denen sie Hoflieferant war, offiziell umbenannte, ist nicht eindeutig festzustellen.
1932 wurde die Brauereigesellschaft durch die Stuttgarter Brauerei Robert Leicht AG, später als Schwaben-Bräu bekannt, übernommen und der Betrieb eingestellt. Das große Brauereiareal in der Zollbergstraße sollte eigentlich ihren ursprünglichen Zweck beibehalten und als weitere Produktionsstätte für den neuen Besitzer dienen, wurde jedoch 1937 zur Fliegerschule des Nationalsozialistischen Fliegerkorps umfunktioniert.


Info

Aktuelles

Projekt "Ankommen in Esslingen"

Schriftzug: Zeitzeugen und Zeitzeuginnen gesucht

Wir möchten Ihre Geschichte hören! Informationen

Herbstferienprogramm

Fensterbild: Ein Igel aus Karton und transparentem Papier.

Herbstferienprogramm der Städtischen Museen mit Rückblick auf das Sommerferienprogramm

Podcast "Studio Gelbes Haus"

Logo des Podcasts "Studio Gelbes Haus".

Neueste Folge: Gaststättenwesen und Trinkkultur - "Kneipentour" in der Frühen Neuzeit

Wechselausstellungen

Kneipentour. Orte der Geselligkeit in Esslingen

Plakatmotiv der Ausstellung.

Ausstellung im Stadtmuseum im Gelben Haus
2. Juli 2022 bis 8. Januar 2023

Was macht die Kuh im Kühlschrank?

Plakatmotiv: Zeichnung: Eine Kuh vor einem geöffneten Kühlschrank. Gestaltung: Katrin Schlüsener, Illustration: Julia Lenzmann.

Was macht die Kuh im Kühlschrank? Eine Ausstellung zum Spielen und anders Denken rund um Energie und Umwelt

Ausstellung im Museum im Schwörhaus
noch bis 3. Oktober 2022

Hilfreiche Seiten

52x-Archiv 1.093
Museumsblog 1.066