Projekt Ankommen

Gesprächspartner:innen und Zeitzeug:innen gesucht

Für unser Ausstellungsprojekt zum Thema „Ankommen in Esslingen“ suchen wir Personen, die uns ihre Erfahrungen erzählen.

Wir möchten Ihre Geschichte kennenlernen!

Esslingen ist eine bunte Stadt. 2020 hatte mehr als ein Drittel der Einwohner:innen einen so genannten Migrationshintergrund. Die Geschichten, die sich hinter dieser Zahl verbergen, sollen erzählt werden – und zwar von den Protagonist:innen selbst im „O-Ton“ aus ihrer eigenen Perspektive.
 
Ab Februar 2023 zeigt das Stadtmuseum im Gelben Haus eine Ausstellung, in der es um das „Ankommen“ in Esslingen in den vergangenen 80 Jahren geht – sei es aufgrund von Krisen, Kriegen, Katastrophen, Arbeit, Studium, Liebe oder ganz anderen Ereignissen.

Alte Reisetruhe aus Holz mit Gebrauchsspuren und zwei Aufklebern. Städtische Museen Esslingen. Foto: Michael Saile.
Foto: Michael Saile

Reisetruhe von Giuseppe Celani. 1957 kam der gebürtige Italiener im Rahmen des Anwerbeabkommens nach Mettingen.

„Wir wollen von den Esslinger Einwohner:innen wissen, wann und wie sie ihren Weg nach Esslingen gefunden haben. Was haben sie auf ihren Weg mitgenommen und warum?“ stellt Hansjörg Albrecht, Leiter der Städtischen Museen Esslingen, das Projekt vor. „Wir möchten erfahren, was sie hier vorgefunden haben, wie sie aufgenommen wurden und welche positiven und negativen Erfahrungen sie hier gemacht haben. Wir möchten ihre Geschichte kennenlernen.“
 
Dafür sollen Gespräche mit dem Aufnahmegerät und/oder Kamera geführt werden. Im Stadtmuseum werden diese Interviews dann zusammen mit Objekten aus der Sammlung des Stadtmuseums, mit historischen Fotografien und Dokumenten sowie persönlichen Gegenständen der Erzählenden gezeigt.

Wenn Sie oder Ihre Vorfahren keine gebürtigen Esslinger:innen sind und Sie sich als Zeitzeug:in an den Projekten beteiligen möchten, wenden Sie sich bitte an das Stadtmuseum im Gelben Haus, Hafenmarkt 7, per Email an christiane.benecke@esslingen.de oder telefonisch unter 0711/3512-3228.

Wir freuen uns auf Ihre Geschichte!

Ihre Geschichte – Stichpunkte zur Orientierung

Wir suchen

Wir suchen:

  • Einwohner:innen, die in der Zeit von 1945 bis 1950 nach Esslingen gekommen sind
  • Einwohner:innen, bei denen in der Zeit nach 1945 Geflüchtete und Vertriebene einquartiert wurden 
  • Einwohner:innen, die einen Bezug zum Lager „Schwertmühle“ haben und darüber berichten können 
  • (Nachfahren von) Einwohner:innen, die aus der Kriegsgefangenschaft oder aus einem Konzentrationslager nach Esslingen zurückkehrten 
  • Einwohner:innen, die selbst oder deren Vorfahren als so genannte „Gastarbeiter“ nach Esslingen gekommen sind st
  • Einwohner:innen, die oder deren Vorfahren in den vergangenen 70 Jahren vor einem Krieg oder bewaffneten Konflikt geflohen sind oder vertrieben wurden und heute in Esslingen leben 
  • Einwohner:innen, die oder deren Vorfahren aus der ehemaligen DDR nach Esslingen kommen sind 
  • Einwohner:innen, die als sogenannte Aussiedler oder Spätaussiedler nach Esslingen gekommen sind 
  • Einwohner:innen, die oder deren Vorfahren als Studierende nach Esslingen gekommen sind 
  • Einwohner:innen, die wegen ihrer Arbeitsstelle nach Esslingen gekommen sind 
  • Einwohner:innen, die oder deren Vorfahren die Liebe nach Esslingen geführt hat Einwohner:innen, die aus ganz anderen Gründen nach Esslingen kamen

Wir würden gerne wissen

  • Warum haben Sie sich für Esslingen entschieden?
  • War die Entscheidung freiwillig?
  • Wie wurden Sie aufgenommen/empfangen?
  • Waren Sie willkommen? Wo kamen Sie unter?
  • Wie waren/sind die Wohnverhältnisse?
  • Welche positiven und negativen Erfahrungen haben Sie gemacht?
  • Fühlen Sie sich hier wohl?

Möchten Sie hier bleiben oder sind Sie nur auf der Durchreise?

Details zur geplanten Ausstellung

Die Ausstellung soll von Februar bis September 2023 im Stadtmuseum im Gelben Haus gezeigt werden. 
Folgende Themenschwerpunkte sind geplant:

Große Migrationsbewegung Ende des Zweiten Weltkriegs

Die geplante Ausstellung beginnt mit der großen Migrationsbewegung Ende des Zweiten Weltkriegs. Ab dem Herbst 1944 erreichten rund 14 Millionen Deutsche aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, dem Baltikum, Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Jugoslawien und der Sowjetunion die alliierten Besatzungszonen. Auch in Esslingen kamen zahlreiche Geflüchtete, Vertriebene und displaced persons an – über 19.000 Menschen fanden bis 1950 ihren Weg hierher.
 
„Wir wollen im Rahmen unseres Projektes unter anderem erfahren, wie die Neuankömmlinge zwischen 1945 und 1950 in Esslingen aufgenommen wurden, wie und wo sie unterkamen und wie man ihnen entgegentrat. Auch interessieren uns Geschichten von Esslinger:innen, die zum damaligen Zeitpunkt bereits hier lebten und bei denen die neu Angekommenen einquartiert wurden. Wie kam man miteinander zurecht?“ erläutert Christiane Benecke.

Wirtschaftswunderjahre und „Gastarbeiter“

Auf eine entbehrungsreiche Nachkriegszeit folgten die Wirtschaftswunderjahre. Durch verschiedene Anwerbeabkommen kamen ab 1955 die so genannten „Gastarbeiter“ nach Deutschland und damit auch nach Esslingen, um den Arbeitskräftemangel auszugleichen. Viele von ihnen kamen nicht nur vorübergehend, wie der Begriff „Gast“ suggerieren sollte. Sie schlugen hier Wurzeln, holten ihre Familie nach, gründeten neue Familien und bauten sich neue Existenzen auf. Viele leben heute in der dritten oder sogar vierten Generation in Esslingen.
 
Das Team des Stadtmuseums möchte von dieser großen Bevölkerungsgruppe u.a. gerne wissen, welche Wege sie nach Esslingen geführt haben, wo und wie sie unterkamen und was sie bewogen hat zu bleiben. Wie wurden sie empfangen, fühlten und fühlen sie sich willkommen? Haben sich ihre Hoffnungen und Träume erfüllt?

Flucht heute: Gewalt, Armut, Naturkatastrophen

Kriege, bewaffnete Konflikte, das Leben in Terrorregimen und andere gewalttätige Faktoren in der ganzen Welt lösten und lösen noch immer Wanderungsbewegungen aus. Neben der Flucht vor Gewalt und Unrecht können aber auch Naturkatastrophen, Armut und andere existenzbedrohende Situationen die Ursache dafür sein, dass ein Bleiben unmöglich wird und die Heimat verlassen werden muss.
 
Das Team des Stadtmuseums sucht daher für sein Projekt nach Menschen, die nach den Erfahrungen von Gewalt, Krieg und anderen Katastrophen in Esslingen eine neue – vielleicht in manchen Fällen auch nur vorübergehende – Bleibe gefunden haben. Sie möchten erfahren, woher die Menschen kommen, was sie mitgenommen haben, wie und wo sie untergekommen sind, was ihre Lebensumstände heute sind.

Und die Liebe …

Gänzlich anderer, friedlicherer Natur sind die Beweggründe derer, die die Liebe nach Esslingen verschlagen hat. Ob man den/die Partner:in im Auslandssemester oder im Urlaub kennengelernt hat oder vielleicht im Internet – am Ende steht ein gemeinsames Leben in Esslingen. Ebenfalls friedvoller Natur sind ein Studium, eine Ausbildung oder schlicht ein Jobwechsel in und nach Esslingen.
 
Auch von diesen Menschen möchten sie wissen, wie sie in Esslingen ankamen, was dieser Umzug für sie bedeutet hat. Wurden ihre Hoffnungen erfüllt? Welche Chancen haben sich aufgetan? Was mussten sie zurücklassen?

Gemälde: In einem Schneesturm kämpfen sich Menschen zwischen mehreren Holzbaracken mühsam vorwärts. Städtische Museen Esslingen. Foto: Michael Saile.
Foto: Michael Saile

Die Baracken auf dem Zollberg, Winter 1947. Reproduktion eines Gemäldes von Alois Dania. In der Nachkriegszeit kamen zahlreiche Geflüchtete und Vertriebene aus Osteuropa in den ursprünglich für Zwangsarbeiter errichteten Baracken unter. Erst in den 1950er Jahren wichen die Gebäude der heutigen Wohnbebauung im neu entstehenden Stadtteil Zollberg.